Georg Cortum - von Christian Carl
geb. 31.8.1915 - gest. 15.1.1992
Georg Cortum und ich waren gemeinsam in einem Hamburger Architekturbüro
tätig. Wie es häufig unter Kollegen geschieht, dauerte es auch
bei uns einige Zeit, bis auf einmal in den Unterhaltungen das Stichwort
„Zinnfiguren“ fiel. Nach einigen Unterhaltungen merkte ich,
dass ich hier nicht die Bekanntschaft mit einem gemacht hatte, der Zinnfiguren
sammelte, sondern es mit einem der Zinnfigurensammler zu tun hatte und
von dem ich im Laufe der Jahre sehr viel zu den Themen Zinnfigur und deren
Geschichte erfahren konnte.
Doch nun möchte ich seinen Lebensweg schildern:
Seine Kinder - und Jugendzeit verbrachte er in Hamburg. Wie es damals
üblich war, lag bei den Jungen auf dem Gabentisch zu Weihnachten
und zum Geburtstag häufig eine Schachtel Zinnfiguren. So auch bei
ihm. Damit war der Grundstein zu seiner Sammlerleidenschaft gelegt. Mit
gespartem Taschengeld wurden dann die Heerscharen vergrößert.
Verbunden war damit immer ein Besuch im Spielwarengeschäft an den
Alsterarkaden. Dort kam es dann nach Prüfung der Kassenlage und nach
eingehender Besichtigung der Ladenbestände, sowie Diskussionen mit
seinen Kameraden, zum Schwur; kauft man mit dem vorhandenen Geld nun eine
Schachtel „Hiz“ oder zwei Schachteln „Biz“. Ein
großes Problem!
Selbst 50 Jahre später erzählte er lachend, wie zu Hause dann
sofort mit den neuen Schätzen gespielt wurde und es durchaus üblich
war, dass Germanen einen Angriff von Stahlhelm - Infanterie abwehren musste
und karthagische Elefanten von napoleonischen Lanciers angegriffen wurden.
Wer von den älteren Sammlern kennt das nicht.
Nach Abschluss der Schule begann er in München mit dem Studium.
Mit Kriegsbeginn wurde dieses jedoch unterbrochen und Georg Cortum wurde
Artillerist. Der Krieg endete für ihn mit schweren Verwundungen und
danach mit russischer Gefangenschaft bis 1947.
Bereits gegen Ende der Schulzeit und besonders während des Studiums
und der Militärzeit knüpfte er viele Kontakte zu Sammlern, Zeichnern
und Graveuren. Diese Bekanntschaften hielten über all die Jahre.
Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft gab es in der Heimat ein
Problem: Die
„besseren“ Lebensmittelkarten bekam nur, wer in Lohn und Brot
stand oder eine gleichwertige Arbeit nachweisen konnte. Für einen
Menschen, der an den Folgen der Verwundung litt, war das alles recht unangenehm.
Er entschied sich dann für den
„freiberuflichen Kunstgewerbler“. Seine vorrätigen Figuren
wollte er bemalen und dann zum Kauf anbieten. Das wurde anerkannt.
Im Anschluss daran begann im Jahre 1948 die Herausgabe der ersten eigenen
Figuren. Seine gute Bekanntschaft mit Prof. Krischen, Danzig, später
Lübeck, brachte ihm die ersten Skizzen und Figurenzeichnungen, die
dann von Frank graviert wurden. Später kamen dann noch Zeichnungen
von Madlener, Block und anderen hinzu. Die Figuren wurden von Frank, Mohr,
S. Maier, Lecke und anderen ausgeführt.
Die Serien kamen in folgender Reihenfolge heraus:
1. Issos
2. Germanen zur römischen Kaiserzeit
3. Persische Bärenjagd
4. Hellenistische Löwenjagd
5. Römische Legionäre
6. Assyrische Löwenjagd
7. Germanen zur Völkerwanderungszeit
8. Äethiopische Gesandtschaft.
Bei der Entstehung seiner Serien kamen ihm nun die vielen Bekanntschaften
aus der Kriegs- und Nachkriegszeit zugute. Von seinen jeweiligen Aufenthaltsorten
aus besuchte er viele bekannte Sammler. Dies muss ein sehr guter Erfahrungsaustausch
gewesen sein. Zur weiteren Vertiefung seines Wissens brachte er viele
Hinweise mit und auch die Literaturtitel vermehrten sich nach solchen
Besuchen.
Er war überhaupt recht reisefreudig. In der Nachkriegszeit, als das
ungehinderte Reisen wieder möglich war, besuchte er viele antike
Stätten im Mittelmeerraum. Durch die eigene Besichtigung und die
dann später vertieften Kenntnisse aus der Literatur wuchsen seine
Ansprüche an den historischen Wert der geplanten Figuren und die
Ausführung musste entsprechend genau und perfekt sein.
Ein Beispiel dafür ist seine Ausarbeitung: „Das Aussehen der
römischen Soldaten im 1. vorchristlichen und im 1. und 2. nachchristlichen
Jahrhundert, unter besonderer Berücksichtigung der Trajans - und
Markussäule“. Diese Ausarbeitung entstand ca. 1957. Deshalb
soll nicht unerwähnt bleiben, dass einige Passagen durch neuere Forschungen
überholt sind. Dies gilt besonders für die Lederpanzer.
Bei seinen Auslandsreisen und Besuchen bei den Sammlern kamen ihm seine
Sprachkenntnisse zu gute. Er sprach 4 Sprachen und damit kommt man schon
recht gut um den Erdball. Zu seinem Reiseprogramm gehörten zum Beispiel
alle Sommerolympiaden der Nachkriegszeit. Kein Austragungsort war ihm
dabei zu weit.
Er selbst war begeisterter Wasserballspieler und hat an vielen Länderspielen
teilgenommen. Ab ca. 1970 wechselte er seine sportliche Betätigung
und spielte Tennis.
Mit Beginn der achtziger Jahre verschlechterte sich sein gesundheitlicher
Zustand und es kam zu häufigeren und längeren Krankenhausaufenthalten.
Zum letzten Mal kam er 1987 mit nach Kulmbach zur Börse. Danach nahmen
die Krankenhausaufenthalte zu und die Zeiten der Rekonvaleszenz wurden
immer länger.
An einen Umzug in ein Haus mit betreutem Wohnen hat er nie gedacht. Er
wollte seine Figuren und seine Bücher nicht verlassen.
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